Zusammenfassung

Wie eingangs erwähnt, wird den Kindern von heute durch gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen mehr und mehr der Erfahrungsraum ‘Natur’ genommen, Darüber geht ihnen ein großes Potential an sinnesbezogenem Erleben und somit an Erfahrung und Erkenntnis verloren. Ihnen fehlt die Natur als Forum, in dem sie sich frei bewegen, in dem sie ihre Umwelt wahrnehmen, entdecken und gestalten können. Dieses Forum jedoch befähigt sie, wie anhand der Theorien von KÜKELHAUS, PIAGET, ZIMMER und MONTESSORI dargestellt, sich und die sie umgebende Welt kennenzulernen sowie Lebenszusammenhänge durch sie zu realisieren und zu verstehen. Durch die Gestaltung naturnaher Spielräume innerhalb der technisierten und immer unnatürlicheren Welt kann den Kindern ein Teil dieses Forums zurückgegeben werden. In ihnen erhalten sie die Anregung ihrer Sinne, Möglichkeiten der Veränderung, Kreativität, des Rückzugs, der Aktivität und des phantasieanregenden Spiels. Erst durch diese Komponenten kann kindliche Entwicklung voranschreiten, können die Kinder ein positives Selbstkonzept, Sozial- und Sachkompetenz aufbauen, und somit zu Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl gelangen.

Die FFS kann mit ihrem Konzept, ihren Grundgedanken, Zielen und damit auch durch ihre Arbeit in Partizipation mit verschiedenen Einrichtungen dazu beitragen, zum Wohl der Kinder naturnahe Spielräume zu gestalten. Die Basis der Neuerung liegt in den Wünschen und Interessen aller Beteiligten und ist so angelegt, daß sie auch für Laien gut nachvollziehbar und durchführbar ist. Die mit Unterstützung der FFS gestalteten Räume sind so konzipiert, daß den Kindern jegliche Form von Wahrnehmung und Bewegung gegeben ist. Sie haben innerhalb dieser Spielbereiche die Möglichkeit, sich ganz ihren Bedürfnissen und Spielen hinzugeben. Durch den intensiven Kontakt innerhalb des Kontextes Mensch und Natur gewinnen sie an Toleranz, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewußtsein bezüglich sich selbst, ihrer Mitmenschen und vor allem gegenüber ihres Lebensraumes. Kinder, die in der Natur gelebt haben, bauen ein tieferes, gefestigtes Gefühl für diese Umwelt auf und werden sich dauerhaft für ihren Erhalt einsetzen. Das Konzept der FFS baut jedoch nicht nur auf den Zusammenhang zwischen Kind und Natur, sondern auch auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Verbund verschiedener Generationen. Ein naturnaher Spiel- und Begegnungsraum kann von allen Altersgruppen gleichermaßen genutzt werden. Durch das Partizipationsmodell in Form einer Bürgeraktion entstehen Kontakte zwischen unterschiedlichen Personen innerhalb des sie verbindenden Ortes, die zu Toleranz und Verständnis zwischen den Personenkreisen führen. Im Weiteren ist festzuhalten, daß naturnahe Spielräume sowohl von behinderten als auch von nichtbehinderten Kindern genutzt werden können. Aufgrund dessen, daß behinderte Kinder die gleichen Bedürfnisse und Interessen bezüglich ihrer ganzheitlichen Entwicklung und des Aufbaus von Selbstwertgefühl besitzen, ist es wichtig, daß diese Kinder Spielräume in gleichem Maße wie nichtbehinderte Kinder nutzen können. Dieses impliziert die Forderung, daß die Spielräume barrierefrei gestaltet sind. Es ist von Bedeutung, daß der Raum den schwachen Kindern Herausforderungen bietet, die sie jedoch allein oder unter Hilfestellung anderer bewältigen können und somit nicht vom gemeinsamen Spiel ausgeschlossen werden.

Es ist selbstverständlich, trotz aller positiven Elemente der Umgestaltung von konventionellen Gerätespielplätzen zu naturnahen Spielräumen, zu berücksichtigen, daß diese nur dann möglich ist, wenn sich genügend interessierte Helfer dazu bereit erklären und die finanzielle Möglichkeiten gegeben sind. In dem von mir begleiteten Projekt konnten nahezu zwei Drittel der Kosten gegenüber einer Sanierung eines Gerätespielplatzes dadurch eingespart werden, daß einerseits auf übliche Spielgeräte verzichtet wurde, andererseits konsequenter Einsatz von überzeugten Menschen gegeben war. Bedenkt man diesen Aspekt, nimmt die Finanzierung eines solchen Vorhabens einen sehr geringen Stellenwert ein.

Letztlich ist zu behaupten, daß gestaltete naturnahe Spielräume den Kindern die ihnen genommene Natur nicht vollends ersetzen können. Es stellt ein gesellschaftlich unreflektiertes Problem dar, den Kindern die Umgebung zu rauben, die sie für ihre gesunde Entwicklung benötigen. Naturnahe Spielräume in oben beschriebener Form bieten den Kindern aber einen durchaus bedeutungsvollen Ersatz für diesen Verlust. Sie haben innerhalb dieser Räume die Möglichkeit, sich frei bewegen zu können, Erfahrungen zu sammeln, zur Erkenntnis zu gelangen und sich somit zu selbstbewußten, verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln.